Cover Jugendbuch "Honey - Wie ich mich in einen Punk verliebte".jpg
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Honey

Wie ich mich in einen Punk verliebte

Wenn eine zweite Chance alles ist, was du willst.

Honey, 15, Streberin und Außenseiterin, kocht vor Wut: Anstatt zu ihrer Schul-Präsentation zu kommen, hat ihre Mutter Punk Colló aufgegabelt und in ihrem Haus  einquartiert. Die Streetworkerin will ihm eine zweite Chance geben. 

Honey setzt alles daran, Colló loszuwerden, doch der ist zäh und außerdem nett. Plötzlich hat Honey Schmetterlinge statt Wut im Bauch. Sie denkt schon über den ersten Kuss nach, doch genau dann schnapp ihre Falle zu. Alles droht zu zerbrechen und auf einmal ist Honey die, die eine zweite Chance braucht. 

Ein Jugendroman für Mädchen ab 12 Jahren, der Mut macht, du selbst zu sein und hinter die Fassade zu schauen. Lustig, mitreißend und voller Überraschungen. 

Das sagen meine Leser:innen

Spannend und einfühlsam erzählt.

Honey: sympathisch, zerrissen zwischen Gefühlen und nüchternem Perfektionismus.

Colló: sympathisch, verletzlich, kaschiert dies mit seinem "provokanten" Äußerem.

Eine gute Geschichte mit interessanten Figuren über ein Mädchen jenseits von Klischees.

Manchmal musste ich über Honeys Sturheit lachen.

Aus dem Leben gegriffen und ehrlich. Die Figuren wurden sehr gut beschrieben.

Ich hätte gerne noch mehr Zeit mit Honey und Colló verbracht.

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Leseprobe

Wie Collò bei uns einzog

„Räum dein Lernzimmer aus, Honey, und stelle das Notbett auf!“, rief Mama fröhlich. Sie saß bei offener Fahrertür im Auto. Die Hitze des heißen Motors drang durch die Haube. Ich spürte es deutlich, denn Mama hatte ihr kleines Auto so tief in die Garage geparkt, dass zwischen Stoßstange und Tür gerade noch genug Platz war, um sich ins Stiegenhaus zwängen zu können. Der Motor war heiß, weil Mama gerast war. Entweder sie kroch oder sie raste. Wenn Mama raste, dann war etwas so wichtig, dass es keinen Aufschub duldete. Mama vergaß dann Nichtigkeiten wie Geschwindigkeitsbeschränkungen oder Klassenpräsentationen. Die standen sowieso nie auf ihrer Agenda. Nein, für Klassenpräsentationen würde Mama nicht rasen. Und jetzt sollte ich mein Lernzimmer räumen. Klar doch. Honey musste helfen. Das tat sie immer.

„Ich räum mein Zimmer nicht aus“, stieß ich hervor.

Mama schien mich nicht zu hören. Vergnügt sprang sie aus der roten Micra Mouse. Wie immer trug sie Bluejeans, ihre blöden ökofairen Waldviertler-Schuhe und ein schlabberiges T-Shirt. Trotzdem war sie schön wie ein Filmstar. Mit Schokoladeaugen und einem Kirschenlächeln, das dafür sorgte, dass Mama immer bekam, was sie wünschte, wenn sie nur dieses Lächeln aufsetzte. Nicht so ich. Meine Ähnlichkeit mit einer Ratte war einfach zu groß. Aber dies bemerkte Mama nicht. Oder es war ihr egal. Sie fragte nie, wie es in der Schule lief. Die selbstständige Honey. Um die musste man sich keine Gedanken machen.

Ganz anders ihr Beifahrer, den Mama soeben an der Lederjacke packte. „Das ist Colló!“, rief sie.

Der Lederjackenträger kraxelte vom Sitz. Als der Bursche sich aufrichtete, reichte er meiner hoch gewachsenen Mama kaum bis zum Ohr. Er klammerte sich an einen schmuddeligen Rucksack, von dem ein fleckiger Schlafsack baumelte. Er schien etwas älter als ich zu sein. Sechzehn, vielleicht siebzehn. Seine Schultern waren breit, seine Beine kurz und obwohl er kleiner als Mama war, war er doch um einiges größer als ich. An den Knien waren seine Jeans zerrissen. Er trug klobige Springerstiefel, wie Papa, der momentan mit seinem UN-Friedenstrupp im Libanon stationiert war. Das Auffälligste aber war sein Kopf. Er hatte die Augenbrauen und den Schädel rasiert. Nur vom Scheitel standen sieben lila Stacheln weg. Und erst die bunten Ohrringe! In einem Ohr dehnte ein schwarzer Stift das Läppchen. Darunter eiterte eine Sicherheitsnadel. Oberhalb des linken Auges steckte ein Piercing. Alles in allem: Der Kerl war hässlicher als die hässlichste Ratte. Aber das Allerhässlichste in seinem Gesicht war die lange, blasse Narbe auf der rechten Wange.

Mama lächelte glückselig, klopfte dem Vernarbten die Schultern und strahlte: „Er soll sein eigenes Reich haben. Colló wohnt ab nun bei uns.“

Ich spürte wie meine Gesichtszüge entglitten. Hallo! Hatte sie noch alle Tassen im Schrank? Ich war fünfzehn – ergo Mitten in der Pubertät! Sie war meine Mutter und die Erwachsene. Sie sollte mich vor solchen Kerlen beschützen und sie mir nicht auf dem Silbertablett servieren, indem sie sie bei uns wohnen ließ. Herrgott! Mädchen in meinem Alter hatten kein anderes Gesprächsthema als Jungs. Okay, der Typ war unfassbar hässlich. Und unfassbar ekelhaft. Aber hatte sie schon mal daran gedacht, dass manchen Mädchen – Anita zum Beispiel – solche Kerle cool fanden? Erst kürzlich hatte ich gesehen, wie Antia vor Schulbeginn vom Moped eines Typen geklettert war, der mindestens genauso grauenhaft ausgesehen hatte wie dieser hier. Springerstiefel und zerrissene Jeans! Eiternde Sicherheitsnadel!

Aber Mama dachte sich natürlich nichts dabei. Die vernünftige Honey konnte ja nicht mal anständig pubertieren. Bei Honey musste man sich keine Sorgen machen. Die las lieber Bücher und hörte Schubert, als an heruntergekommenen Punks zu fummeln. Das Allerschlimmste war, dass Mama recht hatte. Vor so einem war ich safe. Ich könnte genauso gut lesbisch sein.

Ich ballte die Fäuste. Natürlich! Der hier hatte auf der Straße gelebt und dafür liebte sie ihn. Ich funktionierte, also musste sie mich nicht lieben. Nicht mal ein Zimmer zum Lernen brauchte ich. Gleich würde sie sagen, ich solle für ihn aufräumen und putzen und kochen, weil Leute, die auf der Straße gelebt hätten, Zeit bräuchten und sich erst eingewöhnen müssten. Nur kein Stress. Nur keine Pflichten. Einfach nur leben. Integration, das müssen die erst lernen. Dabei musste man ihnen helfen. Wenn ich das Wort schon hörte! Helfen. Wie wollte er Arbeit finden mit dieser Frisur?

Mama machte den Mund auf. Gleich würde sie an mein Mitgefühl appellieren. Damit war sie früher immer durchgekommen. Aber hey – ich war in der Pubertät! Das würde sie gleich merken.

„Vergiss es“, brüllte ich. Blind vor Wut stürzte ich die Treppe hinauf.

Österreichische Jugendbuch-Autorin Maria Appenzeller (c) Indrich Fotografie

Was wirst du, wenn du gross bist?

Meine Antwort war immer: „Schriftstellerin.“

Doch wie wird man Schriftstellerin? Manchmal habe ich wie besessen geschrieben. Danach war ich richtig leer. Monatelang fiel mir nichts mehr ein. 

Doch ich hatte Glück. Dann ich entdeckte das Buch „Schriftsteller werden“ von Dorothea Brande. Später traute ich mich sogar, ein Roman-Coaching beim erfolgreichen Schriftsteller Rainer Wekwerth zu buchen.

Schon bald erhob sich meine  Heldin „Honey“ vom Papier.

Ich schrieb und feilte 14 Jahre lang an dem Roman.  Zwei weitere Jahre lag er in der sprichwörtlichen Schublade.

Und nun, am 12. August 2026, erscheint „Honey. Wie ich mich in einen Punk verliebte“ im niederösterreichischen Mantel-Verlag.